Wirtschaftsprüfung: Schere zwischen Big Four und übrigen Marktteilnehmern geht auseinander

  • Wachstum der Top-25-WP-Gesellschaften in 2016 schwächer als im davorliegenden Geschäftsjahr
  • Big Four legen um 11,8 Prozent zu – Deloitte um 22 Prozent
  • Für das aktuelle Geschäftsjahr 2017 erwarten die Top 25 ein Wachstum von 8,9 Prozent, die Big Four von 10 Prozent
  • Anzahl an bestandenen WP-Examina stieg 2016 nach Jahren des Rückgangs wieder an

Frankfurt am Main/Mindelheim, 21. Juli 2017. – Die nach Umsatz führenden Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften (WP) Deutschlands haben das Wachstumsziel für das Jahr 2016 übertroffen. Im Durchschnitt sind die Gesamtumsätze 2016 um 7,2 Prozent gewachsen (Prognose aus dem Frühjahr 2016: 5%). Im Geschäftsjahr 2015 legten die Top 25 noch um 8,2 Prozent zu. Das Wachstum wird stark beeinflusst von der Performance der Big Four: Deloitte, Ernst & Young (EY), KPMG und PricewaterhouseCoopers (PwC) steigerten ihre Deutschlandumsätze im Durchschnitt um 11,8 Prozent (Prognose aus dem Frühjahr 2016: 10%). Bereinigt um deren Entwicklung liegt die Umsatzsteigerung der Top 25 bei nur 6,5 Prozent. Hier fällt vor allem die Entwicklung von Deloitte auf (+22%). Mit einem Wachstum von 6,2 Prozent belegt KPMG wieder Rang zwei der Lünendonk®-Liste 2017 „Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuer­beratungs-Gesellschaften in Deutschland“, die das Marktforschungs­unternehmen Lünendonk & Hossenfelder, Mindelheim, in Frankfurt am Main veröffentlichte.

Sieben WP-Gesellschaften wuchsen im zweistelligen Prozentbereich

„Die Schere zwischen den Big Four und den übrigen Marktteilnehmern geht weiter auseinander“, sagt Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk. „Dies belegen auch die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr. Unter den sieben WP-Gesellschaften mit zweistellig prozentualem Wachstum befinden sich mit Deloitte und PwC zwei Big-Four-Unternehmen. Die neue Abschlussprüferrotation wird die Spreizung der genannten Gruppierungen nicht aufhalten.“

Lünendonk®-Liste: KPMG wieder auf Rang zwei

Die jährlich erscheinende Lünendonk®-Liste ist ein Ranking der 25 nach Inlandsumsatz führenden WP-Gesellschaften in Deutschland. Wegen des heterogenen Anbieterfeldes unterliegt das Ranking folgenden Aufnahme­kriterien: Mehr als 60 Prozent des Umsatzes resultieren aus Wirtschafts­prüfung, Steuerberatung (ohne Steuerdeklaration und Buchhaltung), Corporate Finance und/oder Rechtsberatung. Davon müssen mindestens 15 Prozent auf Wirtschaftsprüfung entfallen (reine Abschlussprüfung, ohne wirtschaftsprüfungsnahe Beratung). Zudem finden nur selbstständig organisierte WP-Gesellschaften Berücksichtigung – Netzwerke respektive Allianzen werden separat aufgeführt.

PwC steigerte im Geschäftsjahr 2016 den Umsatz um 16,0 Prozent und weist damit das höchste absolute Wachstum auf (+262 Mio. €). Mit 1.898 Millionen Euro führt diese WP-Gesellschaft auch in diesem Jahr die Lünendonk®-Liste an und steht kurz davor, als erstes Branchenunternehmen die Zwei-Milliarden-Euro-Marke zu überwinden. Auf Rang zwei rangiert wieder KPMG mit exakt 1,6 Milliarden Euro (+6,2%), nachdem die WP-Gesellschaft im vergangenen Jahr diesen Platz an EY abgeben musste.

Wegen des vergleichsweise geringen Wachstums von 2,7 Prozent liegt EY mit 1.573 Millionen Euro auf Position drei. Ab 2018 ist die WP-Gesellschaft Abschlussprüfer des DAX-30-Konzerns Commerzbank. Auf Rang vier folgt Deloitte mit 963,4 Millionen Euro. Der Anstieg um 22 Prozent stellt die stärkste prozentuale Entwicklung im WP-Markt dar. Diese Entwicklung wurde auch getragen vom dynamischen Consulting-Geschäft. Deloitte wird aller Voraussicht nach im laufenden Geschäftsjahr über eine Milliarde Euro Umsatz generieren.

Plätze fünf bis sieben rücken enger zusammen

In der Lünendonk®-Liste 2017 belegt BDO mit 214,9 Millionen Euro Position fünf (+1,3%). Auch im weltweiten Ranking ist BDO International fünftgrößter Anbieter von Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Leistungen. Rödl & Partner gelang mit einem überproportionalen Anstieg um 10,2 Prozent der Sprung über 200 Millionen Euro (201,9 Mio. €). Auf Rang sieben folgt Ebner Stolz mit 180,7 Millionen Euro (+7,7%). Die Stuttgarter Wirtschaftsprüfer wollen von der Prüferrotation profitieren. Der Verlag Bastei Lübbe hat für das laufende Geschäftsjahr das Mandat an Ebner Stolz übertragen.

Roever Broenner Susat Mazars legt weiter zu

Baker Tilly belegt mit 139,8 Millionen Euro Umsatz Position acht (+1,7%), gefolgt von Roever Broenner Susat Mazars mit 124,4 Millionen Euro. Mit einem Zuwachs von 9,1 Prozent baut die WP-Gesellschaft den Wachstums­kurs weiter aus. Auf Platz zehn folgt Warth & Klein Grant Thornton (WKGT). Die Düsseldorfer Prüfungs- und Beratungs-Gesellschaft erzielte im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von 87,8 Millionen Euro (+2,2%). „Es ist davon auszugehen, dass WKGT in den kommenden Jahren umsatz­seitig zu Baker Tilly aufschließen wird“, so Studienautor Hossenfelder.

LKC verbessert sich um drei Plätze – Falk mit bestem Geschäftsjahr der Firmengeschichte

Rang elf belegt erneut PKF Fasselt Schlage mit 66,7 Millionen Euro (+8,6%). Dornbach folgt mit 47,5 Millionen Euro (+7,5%). Auf Rang 13 liegt weiterhin DHPG (45,7 Mio. €; +5,3%), alle nachfolgenden WP-Gesellschaften liegen unterhalb von 40 Millionen Euro.

RSM Verhülsdonk liegt mit 37,6 Millionen Euro auf Platz 14 (+1,6%). Um drei Plätze verbessert zeigt sich LKC. Die WP-Gesellschaft aus München/ Grünwald setzt ihre organische sowie anorganische Wachstumsstrategie fort und landet mit 35,2 Millionen Euro auf Rang 15 (+17,3%). Gleichauf liegt Möhrle Happ Luther (+3,2%). Für Falk & Co. bedeutet das Geschäftsjahr 2016 das beste in der Unternehmensgeschichte. Die Heidelberger WP-Gesellschaft legt um 9,9 Prozent auf 34,3 Millionen Euro zu. Damit rutscht Bansbach trotz Wachstums um 3,1 Prozent auf Position 18 ab (33,5 Mio. €).

ETL mit WP-Einheit neu in der Liste

Auch Curacon und Fides erzielen nun jeweils mehr als 30 Millionen Euro. Während Curacon um 10,2 Prozent auf 31,4 Millionen Euro zulegte, komplettiert Fides mit 30,3 Millionen Euro (+7,8%) die Top 20 der Lünendonk®-Liste. Solidaris weist mit 0,3 Prozent das geringste Wachstum innerhalb des Rankings aus und liegt mit 29,1 Millionen Euro auf Rang 21. Trinavis legt hingegen deutlich zu und folgt mit 28,2 Millionen Euro (+10,2%) auf Platz 22. Neu in der Liste ist die Wirtschaftsprüfungs-Einheit der ETL: Die ETL AG erzielte im Geschäftsjahr 2016 einen Inlandsumsatz von 28,1 Millionen Euro (+10,6%). RWT (28,0 Mio. €; +5,7%) und Esche Schümann Commichau (25,7 Mio. €; +2,4%) beschließen das Ranking.

Digitalisierung und Prüfer-Nachwuchs

Die größten Herausforderungen der Zukunft sehen die Studienteilnehmer in der Digitalisierung und dem Finden von qualifiziertem Personal. Während bei den Big Four schon hohe Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT), Digitales Marketing sowie Consulting getätigt wurden, wollen gerade die so genannten Next Ten („Verfolgerfeld der Big Four“) stärker in die Digitalisierung investieren als in den Jahren zuvor. „Die Zeit des Abwartens ist vorbei“, bestätigt Hossenfelder. „Die WP-Gesellschaften haben erkannt, dass sie aktiv werden müssen. Es besteht indes die Gefahr, sich zu verzetteln oder den Mandantenbedarf unberücksichtigt zu lassen.“

Nach Jahren des Rückgangs meldet die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) wieder einen Anstieg bei den WP-Examina. Im Jahr 2016 wurden 716 Kandidaten zur Prüfung zugelassen (2015: 603). Von den 688 Absolventen (2015: 571) bestanden 400. Das sind 99 mehr als im Vorjahr. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist, wird sich am Jahresende zeigen.

Studienbezug

Die detaillierte Lünendonk®-Studie 2017 „Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland“ auf Basis der Befragung über Strukturen, Strategien, Planungen und Restriktionen der 25 führenden sowie 52 weiterer mittelgroßer und kleinerer WP-Gesellschaften sowie Netzwerke/Allianzen wird im August 2017 zum Preis von 2.200,- Euro (zzgl. MwSt.) bei Lünendonk vorliegen.


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